„Was gestern funktioniert, wird auch morgen funktionieren.“ Manchmal habe ich das Gefühl, die Hersteller von Videospielen denken und handeln nur nach diesem Schema. Es verwundert mich nicht, dass viele Zockerfreunde rufen: „Früher war alles besser“. Sie sind satt. Haben alles gesehen und die Welt tausendmal (im Alleingang) vor dem Untergang bewahrt.
Es gab eine Zeit, da war es für mich spannend die Welt zu retten, nämlich beim ersten Mal. Das muss so Ende der Achtziger gewesen sein. Aus dem Pixelbrei entstanden Pixelfiguren und inzwischen habe ich auch das hinter mir gelassen. Längst kämpfe ich in nahezu fotorealistischer Grafik um das Überleben des Planeten. Und so langsam frage ich mich, ob das wirklich schon alles war. Die großen Publisher sprechen nur noch von Marken und Franchise. Sie überschütten jedes Jahr den Markt mit Neuauflagen ihrer alten und vor allem bewährten Titel. Getreu dem Motto: „Hat ja auch die letzten Jahre funktioniert.“ Wenn ich im Saturn vor dem Regal der Top 10 stehe, kann ich inzwischen fast nur noch gähnen. Alles schon gesehen, alles schon so oder ähnlich gespielt. Aber was erwarte ich? Was muss sich ändern?
Als Optimist erwarte ich, dass sich das Medium der Videospiele genauso wie andere Medien z.B. der Film (nicht mit TV zu verwechseln) weiterentwickeln wird. Anfangs wurden Filme belächelt, verteufelt & ignoriert. Aber was ist daraus entstanden? Ein Medium, das von jedem konsumiert wird, das Jung und Alt unterhält aber auch bildet. Eines Tages werden Videospiele, heute vielleicht dem Stummfilm nicht unähnlich, eine neue Ära beschreiten. Wo es nicht nur um die größte Kanone geht. Ich habe den Eindruck, dass diese Ära langsam anbricht, sehr langsam. Kostprobe?
Wir werden bei Heavy Rain weinen, in Canis Canem Edit unsere Vergangenheit aufarbeiten, bei LA Noire in eine Welt aus Korruption und Jazz eintauchen, bei Kurayami ins Grübeln geraten, bei Sadness schizophren werden und sicher noch vieles mehr erleben. Ich bin gespannt, wann der erste Hersteller merkt, dass er in die Vergangenheitsfalle getappt ist, wann Grafikbomben keinen Absatz mehr finden, weil es den Käufern egal ist, ob sie den Aliens mit ein paar mehr Polygonen in den Arsch treten als im letzten Jahr.