Ich konnte es nicht fassen, wollte schreien und helfen. Doch mir waren die Hände ans Pad gebunden. Und da passierte es. Mir liefen erst eine dann mehrere Tränen über das Gesicht und ich war unsagbar traurig. Aber halt, was war eigentlich geschehen?
In der Regel baut man ja zu den Charakteren aus Videospielen nur selten eine Beziehung auf. Meist bleiben sie platt und gefühllos. Ihre Emotionen lassen sich an einer Hand (der man zwei oder drei Finger abgehackt hat) abzählen. Für den Gamer heißt es meist, Ballern auf alles was sich bewegt oder Gas geben bis die Zielflagge weht. Man wird mit Quests überschüttet, muss Goldmünzen für Bonusspiele aufsammeln, seine Waffen und seinen Charaktere aufleveln oder schlicht bis zum Ende des Spiel überleben.
Diesmal aber sollte alles anders werden. Keine Aufgabenstellung, keine Lebensenergieleiste, keine Bossgegner und kein Inventar. Fast nichts dem ich bei bisherigen Spielen begegnet war fand sich hier wieder. Stattdessen wachte ich mit meinem Charakter und nur sehr wenigen Informationen völlig alleingelassen in einer atemberaubend schönen aber auch angsteinflößenden Burg auf. Nach einiger Zeit fand ich ein Mädchen, das Schönheit und Hilflosigkeit zugleich ausstrahlte. Sie wollte beschützt und gerettet werden. Nicht das ich von dem wenigen was sie sagte etwas verstand. Aber ihre Mimik und ihre Gesten waren unmissverständlich und wenn ich nach ihr rief ergriff sie stets meine Hand und folgte mir fast überall hin. Dieses Mädchen vertraute sich mir blind an. Selten schaffte sie es alleine über einen Abgrund zu springen und auch wenn sie manch Erhöhung selber erklettern konnte, so ließ sie sich doch noch lieber von mir helfen. Stets schweifte ihr Blick ein wenig hilflos durch den Raum und wenn durch mich oder etwas anderes ein lautes Geräusch verursacht wurde zuckte sie zusammen und ihrem Mund entglitt ein kleiner Angstschrei. Es gab Momente wo ein Hindernis unüberwindbar schien und sie mutlos den Kopf schüttelte und Situationen in denen sie sich todesmutig mir entgegen warf und ich sie gerade noch mit einer Hand vor dem Absturz ins Schwarze bewahrte.
In dieser fast schon surrealistisch anmutenden Umgebung entstand nach und nach etwas, das ich einem Videospiel nie zugetraut hätte. Gefühle. Dieses verloren wirkende Pärchen wuchs mir richtig ans Herz. Bei jedem Sprung hoffte ich mit den beiden und bei jedem Angriff der Schattenwesen, die dem Jungen sein Mädchen entreißen wollten, bangte ich angstvoll mit. Als das Ende näher rückte und sich das Unheil anbahnte, hatte ich die beiden so lieb gewonnen dass ich wie bei einer schnulzigen Romanze im Kino, da saß, tief traurig war und ja auch weinte. Das ist bisher nur wenigen Filmen und noch wenigeren Büchern gelungen und nun zum ersten Mal einem Spiel. Diese Geschichte, dieses Pärchen haben es geschafft mich im Inneren zu berühren. Für die Zukunft wünsche ich mir mehr davon, denn Spiele die so geschickt und wundervoll auf meiner Gefühlsklaviatur spielen sind selten.