System: Windows
Entwickler: Nucleosys
Publisher: rondomedia
Release: 28. Januar 2006
Altersfreigabe: USK ab 16
Vergleichbar: Black Mirror, Sherlock Holmes, Myst
Stellt euch vor ihr seid in einem alten, dunklen, viktorianischen Haus. Stellt euch vor das dieses Haus verlassenen, sein Vorbesitzer spurlos verschwunden und die nächste Stadt weit weg ist. Und nun stellt euch vor ihr seid dort ganz alleine. Wem alleine diese Vorstellung schon einen kleinen Schauer über den Rücken jagt der ist bei Scratches genau richtig. Fans von schneller Action, oder blutiger Horrorkost werden hingegen wenig Freude an diesem Gruselabenteuer haben.
Hier wird das Gruseln nicht durch möglichst schockierende Szenen inszeniert. Auch nicht durch Dämonen oder andere Monster. Stattdessen wird mit ganz schlichten Mitteln gearbeitet. Schwermütige, dezent eingestreute Musik umhüllt einen und lässt unheilvolles erahnen. Meist sind es klassische Stücke, manchmal aber auch eher sphärische Soundfragmente. Hinzu kommen die üblichen Verdächtigen wie knarrende Holzdielen und tickende Standuhren.
Optisch sind der Dienstboteneingang, das Zimmer für die Haushälterin, ein Telefon mit Wählscheibe oder die dunkle Bibliothek Zeugen einer längst vergessenen Zeit. Und genauso wie das Haus, ist auch die Technik angestaubt. Man darf also keine grafischen Wunder erwarten. Aber alles ist sowieso derart geschmackvoll eingerichtet und wunderbar altmodisch, das man gar nicht auf solche Gedanken kommt. Tja und dann sind da noch die Animationen. Da wird das Öffnen von Türen so stilvoll zelebriert das man den Entwicklern gerne verzeiht das man sich ganz wie in guten alten Myst Zeiten nur Bild für Bild aus der Ego Perspektive durch die Räume bewegen kann und es auch sonst fast keine bewegten Bilder gibt. Eine 360 Grad Rundum Sicht und eindeutige Maussymbole erleichtern einem dennoch die Bedienung.
Was ist aber unsere Aufgabe? Und wer sind wir eigentlich? Ihr seid der Schriftsteller Michael Arthate der neue Inspiration für das Ende seines aktuellen Werkes sucht und sich zu diesem Zweck aufs Land weit vor der Stadt Rothbury in England, zurückziehen möchte. Sein Freund, zu dem ihr hin und wieder telefonischen Kontakt habt (übrigens die einzigen Stellen mit Sprachausgabe), hat für ihn dieses Gebäude das dem inzwischen verstorbenen Ehepaar Blackwood gehörte, gefunden. Zum Schreiben werdet ihr aber nicht kommen denn nach kurzem stöbern in dem Haus stellt sich heraus das es ein dunkles Geheimnis bewahrt. Dem müsst ihr natürlich auf den Grund gehen, denn so ein Abenteuer live und in Farbe ist natürlich besser als jedes Buch. Und so klickt ihr euch durch das Haus, kombiniert und sucht Gegenstände, stöbert in alten Aufzeichnungen und werdet schon bald das Gefühl haben nicht alleine zu sein.
Scratches ist das ideale Spiel für einsame, gemütliche Winterabende, denn nur so entfaltet es seine ganze Wirkung. Es ist ein klassisches, stellenweise altmodisches Point & Klick Adventure welches seinen Reiz aus der einmaligen Kulisse bezieht. Ein Spiel mit Ecken und Kanten, dem man aber anmerkt das die Entwickler (übrigens aus Argentinien), mit Herz bei der Sache waren.
8/10