Tomb Raider: Legend

System: PS2 (gespielt), Windows, Xbox 360, Xbox, GC, PSP
Entwickler: Crystal Dynamics
Publisher: Eidos
Release: 07. April 2006
Altersfreigabe: USK ab 16
Vergleichbar: Ico, Prince of Persia, Indiana Jones

Was musste sie nicht alles durchmachen. Erst war sie die gefeierte Galionsfigur einer ganzen Branche, dann bröckelte langsam ihr Ruhm und zu guter Letzt wurden sie und ihr bis dato letztes Abenteuer sogar dafür verantwortlich gemacht das der zweite Kinofilm, ihr zu Ehren gedreht, hinter den Erwartungen zurückblieb.

Doch Lara wäre nicht Lara gewesen wenn sie diese Krise nicht gemeistert hätte. Schnell wechselte sie ihren Schneider (das Spiel stammt nicht von Core Design sondern von Crystal Dynamics) und schloss nach Jahren des Schweigens, endlich mit ihrem Vater frieden (Toby Gard, der Erfinder von Lara, ist nach einer langen Pause wieder an der Entwicklung beteiligt gewesen).

Sie ist also zurück. Nach einer langen Durststrecke haben wir unsere Lieblings Archäologin und Grabräuberin wieder. Über den Engel der Dunkelheit werfen wir den Mantel des Schweigens und auch die Abenteuer davor vergessen wir jetzt mal ganz schnell. Wir erinnern uns: Lara Croft, die Frau die irgendwann in den 90ern mit zwei wirklich großartigen Spielen das Action-Adventure veränderte. Und auch wenn sie eigentlich nichts Neues machte, die Art wie sie es machte (für damalige Verhältnisse großartige Grafik, forderndes Gameplay und unverbrauchtes Setting) war einmalig.

Was bei ihrem neusten Abenteuer Legend auffällt, Lady Croft ist schöner geworden, ja nicht nur sie, eigentlich alles. Die Umgebung strotzt nur so vor Details und Lichteffekten. Die Sonne blendet, Wasserfälle rauschen und selbst Lara hat endlich keine Ecken und Kanten mehr. Die einzelnen Orte die ihr bereist sind wunderbar vielfältig. Egal ob Bolivien, Peru, Tokio, Ghana und viele andere, Langweile kommt nicht auf. Einzig die fast immer gleichen menschlichen Gegner trüben etwas den Gesamteindruck. Akkutisch gibt es ebenfalls nichts zu meckern, die Musik ist abwechslungsreich und die Effekte runden die malerischen Schauplätze vollends ab.

Bei der Steuerung bricht man sich dank Analogstick und sinnvoller Tastenbelegung nicht mehr die Finger. Springen, laufen und schießen, gehen locker von der Hand. Und endlich muss man nicht mehr auf den Millimeter genau springen. Ist man etwas zu früh abgesprungen erreicht Lara meist trotzdem ihr Ziel und hält sich zur Not an der Kante fest. Unachtsamkeit wird aber, wie früher bestraft. Fallen, Gegner und Rätsel machen euch wie einst das Leben schwer. Darüber hinaus laden die überall versteckten Schätze immer wieder dazu ein die Story mal links liegen zu lassen und die Umgebung zu erforschen. Leider sind die einzelnen Locations derart klein das es nur selten für ausufernden Erkundungstouren abseits der vorgegebenen Richtung reicht. Das Spiel ist geradlinig und rauscht in hohem Tempo an einem vorbei. Vielleicht zu schnell, denn wer sich nicht selber bremst verpasst nicht nur die tolle Schatzsuche sondern hat meist auch kaum Zeit die Umgebung richtig zu genießen.

Bei der Handlung dreht es sich, oh Wunder, wieder um ein Artefakt mit mächtigen Kräften. Und obwohl sie spannend erzählt wird und auch interessante Dinge aus Laras Vergangenheit zu Tage bringt, kommt sie doch nicht über den Durchschnitt hinaus. Aber sind wir mal ehrlich, die Geschichten der Vorgänger auch nicht. Und wenn die Story einmal zu Ende ist, kann ja noch das neu gestaltete Haus der Familie Croft erkundet werden. Auch dort gibt es wieder zahlreiche Verstecke und Schätz.

Tomb Raider Legend begeistert fast so sehr wie die ersten beiden Teile der Serie, leider nur fast denn die Entwickler haben zwar alles gekonnt weiterentwickelt, dabei aber die Seele des Spiels vergessen. Trotzdem lädt das Spiel immer wieder einen ein, zum Pad zu greifen, denn die wunderschönen Orte zu bereisen und zu erkunden macht einfach Spaß und das ist ja die Hauptsache.

7/10