Killzone: Liberation

System: PSP
Entwickler: Guerilla
Publisher: Sony Computer Entertainment
Release: 08. November 2006
Altersfreigabe: USK ab 16
Vergleichbar: Metal Gear Solid, Syphon Filter, Cannon Fodder

Erinnert sich noch jemand an Killzone? Ja genau, der Halo-Killer, der das Shooter Genre der PS2 auf Xbox Niveau hieven sollte. Inzwischen ist einige Zeit ins Land gegangen und das Spiel entpuppte sich zwar als gelungen und punktete besonders bei seiner Atmosphäre, wurde aber trotzdem nicht dem Hype gerecht. Übrigens blüht derzeit Red Steel ein ähnliches Schicksal. Anfangs bis in den Himmel gelobt und der Beweiß dafür das nicht nur Minispiele auf Nintendo’s Wii funktionieren, wird es gerade von der Presse auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Aber ich schweife ab. Jetzt ist der Nachfolger mit dem Titel Killzone: Liberation erschienen und sofort tauchen wieder Fragen auf. Wieder nur ein Hype um nichts? Müder Aufguss der PS2 Version? Soll diesmal einem DS Spiel nachgeeifert werden?

Weit gefehlt, Killzone: Liberation wird weder aus der Egosicht gespielt noch ist es ein gewöhnlicher Actiontitel. Stattdessen wird das Geschehen aus der Vogelperspektive gezeigt und nur in den Zwischensequenzen zoomt die Kamera nahe an das Geschehen heran. Die erstklassige Grafik macht auch in diesen Nahaufnahmen eine gute Figur und erfreut das Auge mit allerlei Effekten. Trotzdem erwecken die fast ausschließlich grauen und braunen Farbtöne den Eindruck, den Entwicklern hätten nicht mehr zur Verfügung gestanden. Aber vielleicht gerade durch diese manchmal eintönige Optik ist es Guerilla schon beim Vorgänger gelungen eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Und dies gelingt ihnen bei Liberation wieder. Überall wird man von Explosionen und Kugelhageln begrüßt und ist es ausnahmsweise mal ganz still kann man sicher sein das es getreu dem Motto „Die Ruhe vor dem Sturm“ dann noch dicker kommt. Einzig die Sprachausgabe klingt manchmal etwas blechern. Das mag daran liegen dass sie stark komprimiert wurde, weil die Entwickler sämtliche Sprachen auf die UMD gepackt haben. So lässt sich das Spiel nicht nur in Deutsch oder Englisch genießen, sondern z.B. auch in Russisch. Vorbildlich. Die Musik ist Killzonetypisch orchestraler Bombast der zwar schön ist aber zum Glück nur in Cutszenen und in den Menüs zu hören ist. Denn alles andere wäre zu viel des guten.

Ihr steuert also einen Soldaten durch verschiedene, recht lineare Schauplätze und müsst die unterschiedlichen Missionsziele erreichen. Dazwischen erwarten euch jede Menge Gegner die es in Sich haben. Einfaches vorpreschen funktioniert nicht. Vielmehr müsst ihr Deckungen suchen und die feindlichen Soldaten genau dann beharken wenn diese gerade nachladen. Das treibt manchmal den Schwierigkeitsgrad nach oben, aber habt ihr eine Szene nach ein duzend Versuchen endlich geschafft müsst ihr jedes Mal einsehen dass ihr bei euren ersten Versuchen zu schnell und zu hektisch wart. Behutsames Vorgehen führt fast immer zum Erfolg. Zu den Ausnahmen zählen die steuerbaren Fahrzeuge. Mal will ein großer behäbiger Panzer gebändigt werden, ein anders mal ist es ein flinkes Luftkissenboot. Oder man feuert von einem stationären Geschütz aus. Erwähnt werden sollten auch die Mitstreiter die einen ab und an unterstützen. Diese KI-Kollegen lassen sich prima durch einfache Befehle steuern und erleichtern den Kampf spürbar. Ihr merkt, für Abwechslung ist gesorgt.

Ein Lob muss ich noch für die KI der gegnerischen Einheiten aussprechen. Die Feinde suchen stets Deckung und schleichen sich zum Beispiel auch mal um einen herum um dann von hinten anzugreifen. Das hat mich nicht selten überrascht und nicht weniger selten zog ich den Kürzeren.

Die berühmt berüchtigten Ladezeiten der PSP habe ich zwar nicht gestoppt gehen aber rein gefühlsmäßig absolut in Ordnung. Die anspruchsvollen aber kurzen Missionen sind ideal für Bahnfahrten und wer nur ein paar Haltestellen weit fährt der spielt einfach die Herausforderungen. Das sind motivierende Minispiele bei denen man kurze aber knackige Aufträge ausführt. Zum Beispiel soll man innerhalb einer Minute mehrere Ziele sprengen. Je besser man ist, umso höher fällt die Belohnung für die Kampagne aus.

Das Spiel hat eine recht dünne Story und beschränkt sich nur auf die Schlachten. So bleibt Killzone eine taktisch angehauchte Schießbude, die Spaß macht und gar nicht erst versucht tiefer in die Materie einzutauchen. Die Chance in einem Actionspiel, dessen Szenario an das 3. Reich erinnert, neue Facetten des Krieges aufzuzeigen haben die Entwickler damit leider vertan. Wer Action und Taktik mag wird Killzone: Liberation trotzdem lieben. Wem allerdings eine einseitige gewalthaltige Atmosphäre nicht zusagt sollte hier einen Bogen machen. Ach so, einem Spiel für den DS wird glücklicherweise nicht nachgeeifert. Kopiert und Portiert wird schließlich schon genug.

7/10