Hotel Dusk: Room 215

System: DS
Entwickler: Cing
Publisher: Nintendo
Release: 12. April 2007
Altersfreigabe: USK ohne Altersbeschränkung
Vergleichbar: Another Code, Agatha Christie, Phoenix Wright

Wir schreiben das Jahr 1979. Dunkle Wolken ziehen über den Himmel und der Regen prasselt gegen die Fenster. Zum Glück bin ich im trockenen und kann beobachten wie die Tropfen an der Scheibe herunter.

Könnte beobachten, wäre wohl eher richtig, denn hier drinnen ist es viel zu interessant als das ich mich mit so einer Tätigkeit abgeben müsste. Warm und gemütlich und alles ist herrlich altmodisch eingerichtet aber auch etwas heruntergekommen. Da komme ich mir mit meinen ausgewaschenen, knitterigen Klamotten wenigstens nicht so fehl am Platz vor. So schlimm dass ich Ratten befürchten müsste ist es dann aber auch wieder nicht.

Ich schleiche mich also durch die Gänge dieses alten Hotels, wohin mich mein Boss geschickt hat. Viele Gäste sind nicht da, aber das macht nichts. Die wenigen die hier sind haben nämlich umso mehr zu erzählen und irgendwie scheinen alle etwas zu verbergen. Aber ich werde schon dahinter kommen. Schließlich lassen sich alle, sofern man es geschickt anstellt, gehörig ausquetschen. Ich werde auch den Eindruck nicht los dass viele der hier Anwesenden etwas mit einander verbindet. Vermutlich ahnen aber die wenigsten etwas davon. Macht ja nichts, die Nacht ist lang da wird sich sicher das eine oder andere klären lassen. Rätselhaft sind also eher die Geschichten der einzelnen Menschen und was Sie mit dem Hotel verbindet. Echte Schalter- und Kombinationsrätsel hab ich hingegen fast gar nicht gesehen (habe sie aber auch nicht vermisst). Einige Bewohner hier sind übrigens echt anstrengend. Dem einen muss ich alles aus der Nase ziehen und der Nächste und das sind die meisten, erzählt so ausführlich das man wirklich ein guter Zuhörer sein muss. Wer schnell auf den Punkt kommen möchte sollte lieber nicht in diesem Hotel einchecken.

Ok, wir schreiben nicht das Jahr 1979 und ich bin zwar im trockenen aber nicht in einem Hotel sondern in einem Bus. Draußen regnet es, aber ich spiele im Bus begeistert Hotel Dusk. Selten hat es ein Spiel geschafft mich so aus meiner Umwelt heraus zu reißen. Dank der Verknüpfung aus ansprechender Kulisse und spannender Geschichte hätte ich fast meine Haltestelle verpasst. Das hat bisher her weder Another Code noch Phoenix Wright geschafft. Nichts für Grafikfixierte und ungeduldige Kids, sondern eher für Leute die gerne gemütlich Krimis oder Romane lesen. Das es wenige klassische Rätsel gibt, deutete ich ja schon an umso näher gehen einem aber die Geschichten der einzelnen Bewohner. Das Ende ist, soviel sei verraten alles andere als ein typisches 08/15-Friedefreude-Eierkuchen-Hollywood-Ende und das im positiven Sinn. Es ist halt gegen den Strich der Gewohnheiten gebürstet und wird sicher nicht jedem schmecken.

Die Nacht in diesem alten Gebäude wird mich so schnell nicht mehr los lassen und vergessen werde ich sie schon gar nicht. Vielleicht schauen auch Sie einmal vorbei.

8/10