Amiga? Amiga!

Wer kennt alles den Amiga? Finger hoch! …sehr gut. Der Amiga also. Der Wundercomputer der 80er und für nicht wenige Menschen damals schlicht die ultimative Plattform, egal ob im Kinderzimmer oder im professionellen Bereich. Warum ich das eigentlich schreibe? Tja, ich bin wieder mitten im Amiga Fieber und wollte euch daran teilhaben lassen und in diesem Zuge auch ein paar Bücher vorstellen.

Zuerst aber ein paar Worte wie es dazu kam und was in der so Szene los ist. Die Hardliner mögen mir verzeihen wenn ich nicht alles haargenau und etwas verzerrt darstelle, ich bin schließlich rund 10 Jahre weggewesen.

Ich war schon immer ein Freak, zumindest was den Amiga betrifft. Während meiner Ausbildung steckte ich Unmengen an Geld in meine geliebten Rechner und besitze noch heute einen Amiga 1200 mit Tower, Festplatte, CD-ROM Laufwerk und allem was noch dazu gehört. Benutzen tue ich ihn derzeit leider nicht. Mir fehlt schlichtweg die Zeit und vor allem der Platz. Aber das werde ich in den nächsten Monaten ändern, soviel steht fest. Ich weiß gar nicht wie ich gerade jetzt auf das Thema komme. Zumindest wollte mich damit mal wieder auseinandersetzen und fing an, ein wenig zu googeln.

Und ich musste feststellen, die Szene lebt und brodelt wie eh und je, wenn auch ein wenig kleiner bzw. leiser. Nicht nur das zwischen 2002 und 2005 ein neuer Rechner mit Namen AmigaOne produziert und verkauft wurde. Nein, auch das geliebte AmigaOS wird immer noch weiterentwickelt und wurde erst Ende letzten Jahres in der Version 4 fertig gestellt und ausgeliefert. Ohne aktuelle Hardware zwar eher suboptimal, trotzdem war meine Begeisterung groß das es überhaupt noch eine lebendige Szene gibt. An neuer Hard- und Software wird also nach wie vor gearbeitet. Randnotiz. Während Amiga Inc. also immer noch (wenn auch viel kleiner) existiert erging es Commodore deutlich schlechter. Häufig wurde nach der Pleite 1994, einfach nur der gute Name weiterverkauft. Inzwischen versucht man den Fans mit stinknormalen aber völlig überteuerten PCs das Geld aus der Tasche zu ziehen. Einzige Besonderheit, die mit Speziallackierung und schickem C= Logo versehenen Gehäuse. Nicht gerade das was Firmengründer Jack Tramiel im Sinn hatte, “Computers for the masses, not the classes“. Sei’s drum. Hier vier aktuelle Bücher die ich zu dem Thema begeistert gelesen habe und sehr empfehlen kann.

Commodore – Aufstieg und Fall eines Computerriesen von Boris Kretzinger
Mein Einstieg in das Thema. Der Autor schreibt locker und informativ. Er beleuchtet sogar umfassend die Zeit von Commodore bevor sie Computer herstellten. Ebenfalls interessant, das hin und her mit Atari. So ist der Firmengründer Tramiel, nach seinem Weggang für den Atari ST verantwortlich gewesen, den damals härtesten Commodore Amiga Konkurrenten. Jay Miner wiederum arbeitete zuerst bei Atari und nachdem er dort ausstieg, entwickelte er den Amiga und landete so bei Commodore. Mehr zum dem kuriosen Wechselspiel und erbitterten Kampf, verrate ich jetzt aber nicht.

Der Amiga. Die Geschichte einer Computerlegende von Volker Mohr
Ein Thriller. Nein kein Roman sondern eigentlich ein ganz normales Buch über die Geschichte des Amigas, geschrieben aber quasi von einem Fan und Webshop Besitzer. Das Besondere daran ist das er auch ausführlich die Zeit nach der Pleite von Commodore beleuchtet. Bis heute, den das Werk ist erst vor wenigen Monaten erschienen und blickt bis ins Jahr 2007. Warum ich es einen Thriller nenne? Nun, ich ging beim Lesen durch ein Wechselbad der Gefühle, Wut Trauer & Freude. Selten war ein Sachbuch so emotional. Kein Computer hätte das alles durchgemacht und keiner hätte das alles überstanden. Dieses Buch bewegt, weil die Geschichte des Amigas bewegt. Wunderbar, denn so richtig wusste ich nie was seit damals alles so passiert ist.

Schöpfer neuer Welten von Harald Horchler
Kein normales Buch sondern eine Sammlung der besten Artikel aus der Zeitschrift Happy Computer. Dieses Kult Magazin berichtete in den 80ern über die Spieleszene. Es ist unglaublich spannend so in die Vergangenheit abzutauchen und teilweise ernüchternd zu sehen was aus den großen Plänen mancher Firma geworden ist. Manches ändert sich übrigens nie. Schon 1986 setzte Electronic Arts auf Fortsetzungen. Sie empfahlen beispielsweise Dan Bunten sein zweites Werk „Heart of Africa“ als Nachfolger zu seinem erfolgreichen „The Seven Cities of Gold“ zu konzipieren, obwohl sie ursprünglich gar nicht zusammen gehörten. Gerade weil also alles so unverfälscht ist, fühlt man sich als wäre man wirklich hautnah dabei. Übrigens sind auch die damaligen Redakteure heute noch bekannt. z.B. arbeitet Heinrich Lenhardt bei Buffed.de und Boris Schneider (heute Schneider-Johne) ist für Microsoft unterwegs.

Der Untergang von Commodore von Rainer Benda
Hautnah dabei ist man auch hier, denn der Autor arbeitete bis Ende 1993 bei Commodore Deutschland und später auch kurz für Amiga. Ein spannender Blick hinter die Kulissen denn er nimmt kein Blatt vor den Mund und schildert ganz unverblümt seine Sicht der Dinge. Sehr interessant weil er nicht ausufernd schreibt und das ganze kompakte 100 Seiten umfasst.

Amiga wird weiter leben. Denn die Geschichte dieses Computers ist noch nicht zu Ende. Jetzt aber erst mal viel Spaß beim Schmökern.

PS: Ich habe gerade festgestellt dass just in diesem Moment ein zweiter Teil von „Schöpfer neuer Welten“ erschienen ist. Dieser bringt die besten Artikel vom Folgemagazin PowerPlay. Gelesen habe ich es noch nicht, aber das werde ich nachholen.