Nerd, Geek, Couch-Potato, Eigenbrötler, Hikikomori, Amokläufer, Freak, Sonderling, Außenseiter, Cracker, Stubenhocker, Langweiler, Otaku, Hacker, Killerspielespieler und seit neustem auch Ego-Shooter. Menschen die sich für Computer, das Internet oder Spiele interessieren bekommen heutzutage unendliche viele Stempel aufgedrückt. Nicht selten sind diese beleidigend, anmaßend oder schlicht falsch. Besonders bei der Diskussion um gewalthaltige Spiele kommen viele Vor- und Fehlurteile zum Vorschein. Es macht den Eindruck das in großen teilen der Gesellschaft immer noch nicht angekommen ist, das die neuen Medien, ein Massenphänomen und besonders aus dem Leben von jungen Erwachsenen und Jugendlichen nicht mehr wegzudenken sind.
Umso erfreuter bin ich wenn ich mal wieder mitbekomme, wie so langsam Grenzen aufgeweicht werden. Darum möchte ich euch ein paar meiner Beobachtungen nicht vorenthalten.
Es fing auf der Arbeit an. Dort berichtete mir eine ältere Kollegin dass sie unbedingt einen „Nintendo“ will, weil sie Dr. Kawashimas Gehirn Jogging so großartig findet. Sie hatte keine Lust ständig nur auf dem Gerät ihrer Nichte zu spielen. Eine andere beschwerte sich das der neuste Teil der Anno-Serie nicht auf ihrem Rechner läuft. Und kurz vor Feierabend fragte mich mein Chef und Vater von mehreren Kindern wann wir endlich wieder mal Age of Empires 3 gegeneinander spielen würden.
Auf dem Weg nachhause ging es weiter. Eine wildfremde junge Frau schaute mir beim lesen der Gamestar über die Schulter und pflichtete dem Autor immer wieder nickend bei. Der Artikel drehte sich um World of Warcraft und darum das viele Spieler auf den speziellen Rollenspielservern sich nicht an die Regeln halten. Wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte das sie ihren heutigen Freund über das Onlinespiel kennen gelernt hat und deshalb nächstes Jahr vom Ruhrpott nach Wien zieht.
Beim umsteigen lief dann ein Geschäftsmann an mir vorbei. In Anzug und Krawatte. In der einen Hand die lederne Aktentasche in der anderen die PSP.
Abends dann noch mal schnell zum Media Markt um die Ecke. Dort beobachtete ich einen kleinen Jungen der gegen seinen Großvater Gran Turismo spielte. Selbst die Oma schaute interessiert zu. Nur ein paar Gänge weiter stand ein Nintendo DS. Vorsichtig näherte sich ihm eine junge Dame. Als sie endlich davor stand, fing sie auch schon begeistert an zu daddeln. Leider konnte ich nicht sehen was.
Zuhause angekommen fragte mich meine Oma (eine exzellente Tetrisspielerin), ob nicht Lumines auf der PSP etwas für sie wäre. Und kurz bevor ich zu Bett ging erzählte mir noch ein Freund über ICQ wie er zwei Jugendliche gesehen hat, die bei schönstem Wetter am Rhein auf einer Bank saßen und Monster Hunter Freedom miteinander spielten.
Ich stelle also fest: Spiele gehören inzwischen genauso wie Bücher, Filme oder Musik zur Alltagskultur. Längst ist wirklich für jeden etwas dabei. Darum ist für mich ab sofort jeder Mensch ein Sonderling der sich rein gar nicht für Computer- und Videospiele interessiert, auf der anderen Seite aber Vorurteile wie „Shooter machen dumm und krank“ durch die Welt posaunt.