Feldstecher & Klappspaten

Mein Blick schweift umher. Hohe Gräser wiegen sich sanft im Wind. Die Sonne bricht nur spärlich durch das Blätterdach. Mit einer Machete bahne ich mir meinen Weg durch das Dickicht. Das einzige was mich jetzt verrät ist das grelle Aufblitzen des großen Messers wenn sich ein Sonnenstrahl zu mir verirrt und auf die Schneide trifft. In meinem Gesicht spüre ich warme Böen und ich bin dankbar im Schatten zu sein. Auf einmal bricht das satte Grün auf und ich befinde mich auf einer Lichtung. Doch der erste Eindruck trügt. Die Bäume verschwinden und aus der Lichtung wird ein ganzes Tal. In der Ferne erkenne ich eine Wellblechhütte und ein paar Bewohner die scheinbar ihrem Tagesgeschäft folgen. Meinen Kompass gezückt, orientiere ich mich anhand der Karte und marschiere weiter.

Von nun an fühle ich mich wie ferngesteuert. Anstatt die Menschen nach einem Schluck Wasser zu fragen eröffne ich das Feuer. Wild springe ich auf einen Jeep und mähe mit dem stationären Geschütz alles nieder was in meinem Blickfeld erscheint. Ich starte den Motor und rase los. Immer weiter die staubige Strasse entlang, merke ich schnell dass mir Verfolger auf den Fersen sind. Schüsse schlagen links und rechts von mir ein. Panisch reiße ich das Lenkrad herum. Durch einige Holzhütten hindurch erhoffe ich mir etwas Luft verschaffen zu können. Aber Pustekuchen, der Wagen bleibt hängen. Rasch abgesprungen, betätige ich unkontrolliert den Abzug meiner Waffe und schieße immer wieder Bretterwände nieder. Dahinter lauert kein Gegner sondern nur die gähnende Leere der Savanne. Meinen Haschern bin ich aber nicht entkommen. Zwischen den Hütten entbrennt ein Gefecht, in dessen Verlauf ich immer wieder stürze und mir einmal sogar eine Kugel aus der Hand entfernen muss um nicht zu kollabieren. Als sich der Rauch legt, sacke ich erschöpft ins Grass. Scheinbar bin ich der einzige Überlebende. Ich besteige einen nahen Hügel und blicke auf die Szenerie. Zweifel nagen an mir. War das alles nötig? Doch anstatt nachzudenken, haste ich entschlossen weiter. Die Schatten werden immer länger und ganz langsam geht die Sonne unter.

Klingt das gut? Ist es das was wir wollen? Ich finde, bei all der wunderbaren Optik egal ob bei Crysis, FarCry 2 oder sonst einem vermeintlich, moderneren Shooter wird immer deutlicher wie das altbackene Gameplay versagt. Ich möchte spannende Geschichten und glaubhafte Konflikte. Vor allem aber will ich nicht immer dieselben Gegner. Keine Mutanten, keine Söldner, keine Russen und auch keine bösen Gangsta-Rapper oder Außerirdische. Ich würde viel dafür geben, meine Schiessprügel gegen die Ausrüstung einer Dschungelexpedition einzutauschen oder zumindest mit dieser ergänzen zu können. Damit begebe ich mich dann auf die Suche nach versunkenen Schätzen und Städten. Besiege wilde Tiere und gerate dabei vielleicht sogar zwischen die Fronten zweier verfeindeter Stämme. Bei diesem Kampf versuche ich zuerst noch meine Neutralität zu bewahren aber nachdem mir dies nicht gelingt, borge ich mir ein Boot und fliehe damit den Fluss abwärts. Im Dschungel auf mich allein gestellt und der halben Ausrüstung beraubt, versuche ich mich zur nächsten Siedlung durchzuschlagen. Diese liegt aber leider hinter einer gewaltigen Bergkette. Deren Überquerung wird mich sicherlich viel Kraft kosten und ich hoffe sehr dass ich diesen Trip wirklich überlebe.

Gebt mir einen Feldstecher, einen Klappspaten und jede Menge Abenteuer und ich bin gerne bereit meine Waffen abzugeben. Bioshock oder Stalker waren zwar gute Ansätze, mehr aber leider auch nicht. Nach 15 Jahren Egoshooter, werden meine Arme und Beine langsam müde und der Geist sehnt sich nach etwas wirklich frischem und neuem. Und komme mir bitte keiner mit Tomb Raider. Das ist leider auch nur eine Ballerei die sich in 10 Jahren kaum verändert hat. Wie wäre es statt dessen mit einem modernen, zugänglichen Robinson’s Requiem?