„Wie oft und wie lange spielst du pro Woche E-Sport?“ So wurden meine Frau und ich von Studenten mitten in einer spannenden Age of Empires 3 Schlacht gestört. Die Dame hatte aber gar nicht mitbekommen das hier gerade ein Ausscheidungskampf ausgetragen wurde. Von solchen und anderen Problemen wurden die World Cyber Games 2008 in Köln geplagt. Ein kleiner Erlebnisbericht.
Die Ausgangssituation klang erst einmal großartig. Über 850 Spieler, aus 78 Ländern der Welt traten in 14 verschiedenen Disziplinen gegeneinander an. Dazu noch Preisgelder von zusammen fast einer halben Millionen US-Dollar. Aber schon auf der Webseite gab es erste Hürden zu nehmen. Herauszufinden welche Spiele zu welcher Uhrzeit liefen, glich einem kniffligen Adventure. Spannend, aber irgendwann frustrierend schwer. Einen Walkthrough gab es leider keinen und auf die Lösung bin ich dann auch eher durch Zufall gestoßen.
Am Bahnhof Köln Deutz der direkt an der Messe war, folgte dann der nächste Schreck. Kein einziger Hinweis dass hier ein großes Turnier stattfand. Erst kurz vor dem entsprechenden Eingang waren ein paar mittelgroße Plakate aufgestellt. Hätte ich nicht genau gewusst, dass das Spektakel in Halle 8 statt finden würde, wäre ich vermutlich Stunden- und Tagelang über das nicht ganz winzige Messegelände gepilgert.
Einmal dort angekommen wurde es dann besser. Hell, freundlich, übersichtlich und mit 7,50 Euro auch verhältnismäßig günstig. Der Geräuschpegel erinnerte hingegen teilweise eher an eine Werbemesse als eine Sportveranstaltung. Zwischen den einzelnen Wettkampfplätzen waren immer wieder Sponsorenbuden aufgebaut, die dann versuchten sich gegenseitig zu übertönen. Aber auch die Veranstalter selber waren kaum besser. Nicht alle Spiele wurden auf einer der zwei Bühnen ausgetragen. Um genau zu sein die wenigsten. Und wenn dann dort mal kein spannendes Match auf großen Leinwänden gezeigt und moderiert wurde, plärrten laute Bässe zu bunten Videos aus den Boxen, so dass an den kleineren Turnierständen gar die Tische leicht vibrierten. Wie sich da die Teilnehmer konzentrieren konnten ist mir schleierhaft. Unsportlich aber wenigstens hatten alle dieselben Chancen. Jeder wurde vom selben Getöse genervt.
Die beiden Hauptbühnen wurden aber wie schon gesagt auch anders genutzt. Dann wurden populäre Spiele wie Warcraft oder Halo ausgetragen. Unten saßen die Spieler – teilweise gar in schallisolierten Glaskästen – und oben konnte das ganze auf großen Leinwänden verfolgt werden. Kommentatoren begleiteten das ganze dann auch noch. Wie man ein Starcraftmatch moderiert? Keine Ahnung wie die das geschafft haben, aber das Ergebnis war genauso spannend, emotional mitreißend und von Jubel begleitet wie ein Fußballmatch. Und in besonders dramatischen Situationen überschlugen sich deren Stimmen regelrecht. Großartig.
Alle anderen Spiele wurden an kleinen bis großen Ständen ausgetragen. Das sah dann folgendermaßen aus. In der Mitte standen mehrere Computer für die Wettkämpfer. Diese waren dann – mit ein wenig Abstand – von stabilen, zusammenhängenden und hohen Tischen umrundet. Und dort konnte man sich dann hinstellen und den Zockern über die Schulter schauen. Fühlte sich eher an wie eine Kneipentheke, war aber nicht schlecht und hat uns bei den Spielen die wir kannten Spaß gemacht. Richtig professionell geht aber anders. Hinzu kam das, wenn man nicht genau aufpasste nicht auszumachen war ob gerade ein offizielles Spiel ausgetragen wurde oder sich die Einzelnen nur schon mal warm machten. Da hätte ein symbolhafter Startschuss oder irgendein anderer Hinweis wunder gewirkt. Niemand kommentierte und niemand moderierte. Ach so, rings um hinter den tollen Tischen waren noch Sitzsäcke verteilt. Super gemütlich nur leider zu weit weg und natürlich nicht hoch genug. Ich weiß wirklich nicht warum man ein paar hundert gemütliche Sitzgelegenheiten gleich neben den Spielstätten verteilt, wenn man diese von da aus nicht beobachten kann. Ganz besonders Schade fand ich dass viele Spiele auf der Hauptbühne überhaupt nicht gezeigt wurden. Mir ist klar dass nicht jedes Match übertragen werden kann. Aber das es Disziplinen gibt die nicht eineinziges Mal moderiert werden, sorry das geht mal gar nicht. Wenigstens alle Finalspiele hätten es sein müssen.
Den Zuschauern wurde nicht begreiflich gemacht, das es sich hier um einen ernsthaften Wettkampf handelt. Auch der obligatorische Handshake zu Beginn einer Runde war nur bei den wenigsten Teilnehmern zu beobachten. Die World Cyber Games und der E-Sport haben daher noch einen weiten Weg vor sich. Trotzdem hatten wir unseren Spaß und würden jederzeit wieder ein E-Sportturnier besuchen.
PS Ganz vergessen die Geschichte am Anfang aufzulösen. Also, eine kleine Gruppe von Studenten lief durch die Halle und befragte die Zuschauer. „Wie oft betreibst du E-Sport?“ „Wann betreibst du E-Sport?“ Die Fragestellung war aber sehr unglücklich. Schließlich läuft niemand zu einem Fußballmatch oder Marathon und befragt die Leute wie oft sie in der Bundesliga spielen und wann sie einen Marathon laufen würden. Sicher nur ungünstig ausgedrückt. Trotzdem doof.