In Duisburger Schulen wird seit ein paar Tagen Zeitung lesen gelernt. Wie das? Ganz einfach. 350 Schüler aus verschiedenen Schulen bekommen sechs Wochen lang jeden Tag die Rheinische Post. Dabei sollen sie lernen wie eine Tageszeitung aufgebaut ist und
zum kritischen Leser
werden indem sie
Qualität unterscheiden können.
Zum Glück habe ich meinen Morgentee schon ausgetrunken, sonst hätte mein Monitor jetzt einen Wasserschaden erster Güte.
Traurig das den Zöglingen das Lesen anhand eines bald toten Mediums beigebracht werden soll. Überall geht das Zeitungssterben munter weiter aber die Kleinen sollen von der aktuellen Medienrevolution am besten nichts mitbekommen. Und das mit der Qualität dürfte auch schwierig werden. Ein kurzer Blick zum Niggemeier und die zukünftigen RP-JüngerLeser tun mir jetzt schon leid.
Bleibt mir nur die Hoffnung das die Offlineversion besser ist und die Schüler auch mal den Blick über den Tellerrand riskieren.
Comments
Hey,
bin durch Zufall mal wieder auf deinen Blog gestoßen und als angehender Redakteur kann ich nur sagen, dass die Zeitung keines wegs aussterben wird. Ihr Ende wird lediglich von Vertretern der “neuen” Medien herbei beschworen. Fakt ist, dass sich die Zeitung verändern wird! Durch das Internet, TV und Co. sind die Informationen (Nachrichten etc.) definitiv schneller beim Empfänger eingetroffen als die all-morgentliche Zeitung es vermag. Doch auch Fakt ist, dass bis dato bei der Zeitung die meisten Ressourcen für tiefe vollwertige Recherche bereitstellt wo hingegen im Internet am häufigsten von anderen Publishern abgeschrieben wird. Somit geht nach und nach der wertvolle Informationsgehalt online flöten. Meiner Meinung nach wird sich eine Symbiose anbieten: Online die schnellen Infos und Aktualität – gedruckt ausführliches Hintergrundwissen. Die ganze Medienlandschaft ist definitiv im Umbruch, aber es zu bedauern, dass sich Schüler durch das nach wie vor starke Medium Zeitung politisch bilden finde ich stark bedenklich.
Lieben Gruß 🙂
Mi Makke. Schön das du mal vorbei segelst und jedem seine Meinung 🙂
Die RP ist nicht gerade für ihren superben Journalismus berühmt. Darum ist es in diesem konkreten Fall imho schlicht das falsche Blatt um Schülern etwas beizubringen, da wäre Die Zeit besser geeignet.
Das qualitativ hochwertiger Journalismus nur im Print funktioniert ist ein Ammenmärchen was immer mal wieder von den alten Medien herum posaunt wird. Ich lese regelmäßig die Ruhrbarone. Was da investigativ und hochwertig über z.B. den Uhlenberg-Ausschuss geschrieben wird (von Journalisten wohlgemerkt) findet man so in keiner Zeitung. Ginge auch gar nicht. Allein der Umfang würde jedes Printformat bis auf das Buch sprengen. Aber du hast in sofern recht das es deutlich schwieriger wird diesen Qualitätsjournalismus zu finanzieren. Die Leser rennen weg und die Anzeigenkunden tun es ihnen gleich – oder umgekehrt. Das ist ein Problem was es zu lösen gilt. Es fehlen Bezahlmodelle fürs Netz. Oder zumindest die Mutigen die neue ausprobieren.
Zeitungen wird es immer auf Papier geben? Nein daran glaube ich absolut nicht. Wir können uns das nicht vorstellen – ja. Auch mir fällt dieser Gedanke schwer. Aber so ging es auch den Fahrern von Pferdefuhrwerken als die ersten Autos kamen. Ich wäre nicht überrascht wenn die meisten Menschen eines Tages mit einem iPad-ähnlichen-Gerät am Küchentisch sitzen und ihre Morgenlektüre lesen. Nicht in 10 aber vielleicht schon in 50 Jahren.
Übrigens ich habe eine Zeitlang viel Bildblog (der ja auch über andere Blätter berichtet) und Niggemeier gelesen. Es gruselt mich teilweise derart das ich mich manchmal frage ob der Journalismus wie wir ihn kennen überhaupt eine Zukunft hat. Auch Offline wird abgeschrieben was das Zeug hält. Wobei das einem noch harmlos vorkommt wenn Tatsachen verdreht bzw. verschwiegen und Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten werden.
Es gibt in Deutschland und auch in den USA schon einige erfolgreiche Versuche wo es Blogs gelang tragbare Konzepte zu entwickeln. Ich bin sehr gespannt was da noch kommt.
Jetzt habe ich ein Fass aufgemacht 😀