Ein beschaulicher Vorletzter. Vormittags ein Besuch der Settlement Exhibition. Zwar haben wir diese auch letztes Jahr besucht, aber ohne Audioguide und ohne Ruhe. Beides ist heute reichlich vorhanden. Unter der Straße wurden Ausgrabungen gemacht und dabei die Überreste eines Torfhauses aus dem Jahr 871 (±2 Jahre) freigelegt. Sehr interessant weil dies vermutlich auch die Zeit der Ankunft der allerersten Siedler in Island war.
Sehr lustig: Sobald ich hier jemanden auf isländisch begrüße erhalte ich als Antwort einen wahren Redeschwall der absolut unverständlich ist. Wenn ich dann mit einem Fragezeichen über dem Kopf „Sorry?“ sage entschuldigen sich die meisten schnell und behaupten sie hätten ja nicht gewusst das ich ein Ausländer sei. Entweder ich sehe nicht wie einer aus oder meine drei Worte sind perfekt ausgesprochen. Oder beides?
Die Nationalgalerie ist dann eine echte Lachnummer. In zwei Sälen werden hässliche und sehr hässliche Gemälde ausgestellt. Die Landschaft hier ist doch gerade zu inspirierend, aber statt dessen werden irgendwelche komischen Punkte und Kringel aus den letzten 30 Jahren exponiert. Dafür das die Galerie schon 1884 gegründet wurde frage ich mich ernsthaft wo all die alten und bestimmt auch wunderschönen Pinselstriche hin sind.
Auf dem Ingólfstorg einem Platz in der Stadtmitte machen wir dann verspätet Mittagspause und genießen bei einem Hotdog (muss man hier probieren) eine Band die Volkslieder mit einem starken Pop- und Jazzeinschlag spielt. Wer schnell ist kann das sogar von aufgestellten Sesseln und Sofas aus genießen. Ein Teppich, ein niedriger Tisch und die Stehlampe geben dem ganzen endgültig das Flair eines Wohnzimmers unter freiem Himmel. Richtig schräg wird es, als sich plötzlich ein Flashmob bildet. Ungefähr ein Dutzend als Sherlock Holmes verkleidete Personen gehen über den Platz und bleiben wie auf Kommando in wilden Verrenkungen stehen, sitzen oder liegen, um nur wenige Sekunden später wieder zum Leben zu erwachen. Der Spaß wiederholt sich ein Paar mal bis die Detektive wortlos verschwinden. Silfurberg lassen sich davon nicht beirren und spielen munter weiter. So munter das einige behinderte Kinder anfangen mit ihren Begleitern zu tanzen. Eine ausgelassene und sehr schöne Stimmung.
The Reykjavik Museum of Photography ist die letzte Station. Wie bei der Gallery macht sich auch hier Ernüchterung breit. An den Wänden hängen wenige alte und viele neue, mehr langweilige als aufregende Fotos. Aber wir kommen trotzdem auf unsere Kosten. Auf einem großen Bildschirm läuft eine Slideshow mit hunderten alter Aufnahmen. Schnell zwei Stühle herbei gezaubert und wir genießen für längere Zeit die schwarzweiß Impressionen.
Auf dem Heimweg die Unverschämtheit – zum ersten und einzigen mal während unseres Aufenthalts regnet es und wir laufen nach Hause.